Die Schulung der Sinneswahrnehmung spielt im Waldorfkindergarten eine große Rolle. Ausgehend von der Erkenntnis, dass das kleine Kind in den ersten Lebensjahren die Welt durch alle Sinne wahrnehmen muss, um sie wirklich erfassen und verstehen zu können, wird großer Wert darauf gelegt, dass die Kinder alle ihre Sinne an verschiedenen Materialien, in verschiedenen Situationen entwickeln und erleben können.

Die kritische Haltung gegenüber der heutigen Reizüberflutung steht dazu keineswegs im Widerspruch, denn gerade den weit verbreiteten medialen Reizen, wie z.B. durch Fernsehen oder Computerspiele, fehlt es an erfahrbarer sinnlicher Qualität. Nur was unmittelbar mit den eigenen Händen erfühlt oder gestaltet, mit dem eigenen Körper geleistet und erlebt wird, kann von kleinen Kindern wirklich verarbeitet und erfahren werden.

Diese sinnliche Erfahrung der Welt schafft in den Kindern erst den Bezugsrahmen, in den sie später die inzwischen so verbreiteten virtuellen Welten, die durch Fernsehen und Computer erzeugt werden, einordnen können und gibt ihnen eine feste Verwurzelung in der realen Welt mit auf den Lebensweg.

Das Anliegen der Sinnespflege zieht sich wie ein rotes Band durch alle Bereiche der Tages-, Wochen- und Jahresgestaltung. Das beginnt mit dem jedem Wochentag zugeordneten Essen: Milchreis fühlt sich anders an und schmeckt ganz anders als Gerste-Käsestangen oder Hirsebrei.